Entstehungsgeschichte von „Parkour“

Als ich 2008 mit diesem Roman begann, fragte mein Mann mich zu Recht: „Ein Buch? Wann willst du das denn noch machen?“ Aber ich war fest entschlossen.

Das Thema Parkour saß seit Jahren in meinem Kopf fest, eine Weile befasste ich mich schon mit den Kelten und dann las ich auch noch in einem Zeitungsartikel über ein Mädchen, das mit seiner Mutter illegal in Deutschland lebte. Im Juni 2008 entwickelte ich die Personen und einen ersten Plot. Trotz meiner geringen Zeit kam ich voran und als ich im Februar 2009 ich die ersten 130 Seiten fertig hatte, gab ich sie stolz einem Schreibkollegen zu lesen. Das Urteil war niederschmetternd: „Ganz nett, aber kein roter Faden erkennbar.“

Andrea RingsIm April 2009 entdeckte ich zwei Sachbücher, die mich weiterbrachten: Die Heldenreise im Film von Joachim Hammann und Die Pflanzen der Kelten von Wolf-Dieter Storl. Während ich die Bücher las, hatte ich das Gefühl, meine Themen würden zu einem eigenen Mythos verschmelzen. Der neue Plot hatte 17 Seiten und enthielt bereits alle Grundzüge der Geschichte.

Obwohl ich ab Sommer 2010 mehr Zeit zum Schreiben hatte, kam ich nur schleppend voran. Ich hatte keinen Schreibtisch, schlich durchs Haus mit meinem Laptop, immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, konzentriert arbeiten zu können. Als eine Schreibfreundin im Februar 2012 vorschlug, zur Leipziger Buchmesse zu fahren, hatte ich gerade mal die Hälfte meines Plots in Text umgesetzt. Trotzdem fuhr ich mit, sammelte fleißig Informationen und schrieb in der Woche darauf 14 Jugendbuchverlage an, die aus meiner Sicht an meinem Roman interessiert sein könnten.

Von März bis Mai hatten wir eine Baustelle am Haus und ich konnte keine Zeile schreiben. In dieser Zeit trafen von fast allen angeschriebenen Verlagen Absagen ein und im Mai 2012 war ich auf meinem Tiefpunkt angelangt: Ich hatte völlig den Bezug zu meinem Manuskript verloren und fragte mich, ob sich wirklich jemals jemand dafür interessieren könnte.

Im Nachhinein hört es sich wie ein Märchen an: Anfang Juni erhielt ich eine E-Mail vom Verlag Chicken House Deutschland mit dem Vorschlag, mein Romanmanuskript bei dem Schreibwettbewerb Der Goldene Pick 2012 einzureichen. Im ersten Moment war ich frustriert und dachte: „Hätte ich nicht unendlich viel Zeit mit der Betreuung der Baustelle vertan, wäre das Manuskript vielleicht schon fertig.“ Aber dann fasste ich den Plan, 2013 an dem Wettbewerb teilzunehmen, und setzte mein Romanprojekt auf Platz eins der Prioritätenliste. Ich versuchte, überall Zeit herauszuholen, schrieb auch nachts und in der Frühe. Ich kam voran.

Als ich den Mitgliedern meiner Autorengruppe im Sommer 2012 eine Textprobe zusandte, erhielt ich folgende Antwort: „Wenn es um den Inhalt der Chronik geht, musst du eine andere Sprache finden!“ Die Idee, ein Gedicht zu schreiben, war geboren. Die „Prophezeiung“ entstand in den Monaten August und September 2012. Sie raubte mir den Schlaf, ich war nur noch mit Dichten beschäftigt und dann musste ich auch noch Gedicht und Text aufeinander abstimmen. Endlich, Mitte Oktober, war die Rohfassung meines Romans fertig.

NaturschutzgebietKurz darauf hatten mein Mann und ich im Wald bei Liedberg eine wunderbare Begegnung. Ein dreibeiniger Hund stand plötzlich vor uns auf dem schmalen Pfad, scheinbar allein. Er sah uns minutenlang an und wandte auch den Blick nicht von uns, als er schließlich auf einem Parallelweg an uns vorbeikam. Er lief so elegant und selbstverständlich auf seinen drei Beinen – genau so hatte ich mir den Skipper in meinem Roman immer vorgestellt. Bis dahin war der dreibeinige Hund in meiner Geschichte ein grauer Schnauzer, aber an diesem Abend schrieb ich die Figur um und er wurde zum Dalmatiner.

Nach einer ersten Überarbeitung verteilte ich mein Manuskript im Januar 2013 an die Mitglieder meiner Autorengruppe und fünf jugendliche Testleserinnen, die einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen mussten. Am 14. März wurde auf der Leipziger Buchmesse der Wettbewerb Der Goldene Pick 2013 von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und dem Verlag Chicken House Deutschland ausgelobt. Es gab noch viel zu tun bis zum Abgabetermin im Juli. Die Kritik meiner Testleser war vielfältig und oft nur allzu berechtigt. Interessanterweise forderten alle Jugendlichen für Sunna und ihre Mutter eine endgültige Lösung, bei der sie in Deutschland bleiben dürften.

ManuskriptEndlich, am 14. Juni 2013, brachte ich mein Manuskript zur Post und reichte es unter dem Titel „Parkour“ bei dem Wettbewerb ein. Ein seltsames Gefühl überkam mich. Ich hatte jahrelang völlig unauffällig und fast heimlich an meinem Manuskript gefeilt und jetzt gab ich es aus der Hand. Auch wenn ich nicht mit einem Sieg rechnete, bestand doch immerhin die Möglichkeit, dass ich plötzlich „öffentlich“ sein würde.

Es folgte der entspannteste Sommer meines Lebens. Die Sonne schien in einem fort und endlich hatte ich mal wieder Zeit, selbst Bücher zu lesen. Die Ruhe war schlagartig vorbei, als am 16. Oktober die Liste der fünf nominierten Jugendromane veröffentlicht wurde. „Parkour“ stand auf der Shortlist, ausgewählt aus über 130 Einsendungen! Ich war überwältigt. Gleichzeitig galt es, dieses wichtige Ereignis anderen mitzuteilen und so begann ich mit meiner Facebook-Seite. Alles war neu und aufregend: Die Lokalzeitungen schrieben über mich, ich wurde auf der Straße angesprochen, man drehte ein Videoportrait, stellte es auf der Internetseite der FAZ ein und es gab einen spannenden Wettbewerb, bei dem die Leser ihren Lieblingstextanfang wählen konnten.

Die Jury tagtEinen Tag vor Bekanntgabe des Gewinnertitels erhielt ich einen Anruf der Programmdirektorin von Chicken House. Die Jury saß beisammen und man hatte sich auf mich als Preisträgerin geeinigt. Ich war sehr gerührt, aber es fühlte sich unwirklich an. Ich sollte den Preis gewonnen haben? „Parkour“ würde als richtiges Buch im Oktober 2014 erscheinen? Nach einer schlaflosen Nacht las ich am Morgen die Kritik in der FAZ. Da stand tatsächlich mein Name! Man schrieb über meinen Roman in einer Weise, wie ich es mir niemals zu träumen erlaubt hätte. Ich las es wieder und wieder und langsam sickerte es in mein Bewusstsein: Ich hatte den Goldenen Pick 2013 tatsächlich gewonnen!

Ich erhielt einen Verlagsvertrag und kurz vor Weihnachten schickte mir meine Lektorin eine erste E-Mail mit Vorschlägen zur Überarbeitung zu. Sicher bin ich ein wenig blass um die Nase geworden – es gab viel zu tun und die Zeit war knapp bemessen. Einige Personen mussten überarbeitet werden, der Schluss war viel zu überladen und ich sollte deutlich kürzen, etwa ein Viertel des Gesamttextes. Bis zur endgültigen Textfassung im Juni 2014 folgten noch einige Überarbeitungsschritte und nebenbei erfuhr ich viel darüber, wie Bücher gemacht werden. Das Team von Chicken House dachte sich den Untertitel „Nur die Wahrheit ist unbezwingbar“ aus und eine Grafikerin entwarf das Cover. Ich war beeindruckt und konnte mir mein Buch schon richtig vorstellen.

Dreharbeiten im WaldVon Anfang an regte mein Manuskript die Fantasie meiner Testleser in immer gleicher Weise an: Alle erzählten mir, sie könnten sich meinen Roman als Film vorstellen. Gleichzeitig lernte ich ein Marketinginstrument kennen, den Buchtrailer. In einem sehr kurzen Film soll die Stimmung des Buches aufgegriffen und potentielle Leser neugierig gemacht werden. Innerhalb weniger Tage hatte ich ein professionelles Team zusammen, später kamen zwei junge Traceure hinzu. Mitte Februar drehten wir in einer hohlen Linde und auf Schloss Liedberg. Als mir der Kameramann erste Aufnahmen zeigte, war ich sprachlos: Ich sah genau die Bilder, die mir jahrelang durch den Kopf gegangen waren.

Am 13. März 2014 erfolgte die Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse und im September wurde der Buchtrailer bei YouTube hochgeladen. Hier endet mein Bericht von der Entstehung dieses Buches. Mir ist bewusst, dass ich großes Glück hatte, aber auch viele Helfer, denen ich an dieser Stelle noch einmal von Herzen danke.

 

Ich bin Mitglied im Montségur Autorenforum:

Montségur Autorenforum


Neuigkeiten über mich und meine Arbeit finden Sie regelmäßig auf Facebook.
Schauen Sie doch mal vorbei. Ich freue mich auf Sie.


Meine Kontaktdaten und das Impressum finden Sie hier.