Andreas Blog

Von Leuchttürmen

Manchmal hat man Leidenschaften, die ebenso ungeahnt wie offensichtlich sind.

Mir war nicht mal bewusst, dass ich auf Leuchttürme stehe. Dabei hatte ich vor drei Jahren, als ich beschloss es mit der Schriftstellerei ernst zu nehmen und mein kleines externes Büro bezog, eine Leuchtturmlampe ins Fenster gestellt, ein Urlaubsmitbringsel aus Holland, das in unserem Keller ein vergessenes Dasein fristete.

Auch die Tatsache, dass in meinem aktuellen Kinderromanprojekt ein Mädchen auf einer dem französischen Département Finistère vorgelagerten Leuchtturminseln lebt, ließ mich noch nicht aufmerken. Ich kannte diese Gegend seit mehr als 25 Jahren, ebenso wie die vergleichbare Region im spanischen Galicien, das Kap Finisterre, und war seit jeher fasziniert davon. Zwei Enden der Welt, ausgestattet mit Signaltürmen, die das Navigieren in schwierigen Gewässern ermöglichen sollten.

 

Als ich im November 2016 die aktuellen Urlaubsbilder nach einer Inspiration durchsuchte, fielen mir zunächst die immerhin fünf verschiedenen Leuchttürme nicht auf, die ich übers Jahr fotografisch gesammelt hatte, sondern eine Reihe von Strandhäusern, die beschauliche Einfachheit ausstrahlten. Eine Gemeinschaft, ich stellte sie mir im Sommer vor, wenn in jeder Hütte kleine und größere Leser ihre Ferien damit verbringen, mit einem Buch auf dem Bett zu liegen und die Zeit zu vergessen.

 

 

Wir waren auf der Suche nach einer Idee für ein Logo und hatten in der Kalkulation für den YouTube-Kanal Autoren Dingsda ein ordentliches Sümmchen für eine Grafikerin eingeplant, aber eigentlich wollte ich dieses Geld nicht ausgeben.

Plötzlich schienen die Strandhäuser auf meinen Fotos mit den Leuchttürmen zu kommunizieren und ich schrieb an René Wagner, meinen Kollegen in dem Projekt: „Nehmen wir an, der Leuchtturm steht für die Autorin/den Autor, die/der in seinem Kämmerlein einsam vor sich hinschreibt, aber ihr/sein Licht scheint in die Welt hinaus, und jetzt mit Autoren Dingsda erst recht!“ Das hörte sich selbst für mich etwas zu dick aufgetragen an und ich setze schnell hinzu: „Hach, hier trieft gerade der Kitsch von der Tastatur…“, aber René fand es gar nicht kitschig und so wurde das Logo für Autoren Dingsda geboren. Nebenbei hatte ich etwas über mich gelernt. Ich bin ein Leuchtturm-Fan.

 

 

 

AUTOREN DINGSDA

Lange Zeit hatte ich kein Bedürfnis, Blogeinträge zu machen, für 2017 habe ich mir vorgenommen, regelmäßiger zu berichten.

Was bisher geschah: Seit Sommer 2015 bin ich bei der Agentur Keil & Keil unter Vertrag, mein zweiter Jugendroman wurde in der ersten Hälfte 2016 fertig und ich arbeite aktuell an einer Kinderromanreihe. Es gab insgesamt elf Lesungen mit Parkour, im letzten Sommer habe ich zusammen mit drei Kollegen aus Erkelenz eine einwöchige Schreibwerkstatt bei den Sommerferienspielen der Stadt Erkelenz für 10-14-Jährige geleitet, es gibt Planungen für eine neue Lesereihe in diesem Jahr. Im April 2016 packte mich ein neues Thema so sehr, dass ich nicht mehr aufhören konnte, mich damit zu befassen und nach Lösungen zu suchen. Es ging zunächst in einer Diskussion in einem Forum darum, dass Kinder- und Jugendbuchautoren sich oft mit der Forderung konfrontiert sehen, Mädchen als Protagonistinnen zu wählen. Das Thema weitete sich schnell aus, es kamen viele Aspekte hinzu und da ich als Autorin noch nicht sehr erfahren war, lernte ich viel über das Genre, in das ich mich begeben hatte. Angefüllt mit all diesen Informationen schrieb ich im Juni 2016 wie im Rausch ein Konzept und entwickelte darin die Visons eines YouTube-Kanals, bei dem Kinder- und Jugendbuchautoren ihre Bücher vorstellen können, bei dem aber auch andere Beteiligte der Buchwelt zu Wort kommen. Das eigentliche Thema war also Sichtbarkeit, ich wollte den Autoren und ihren Büchern, aber auch dem ganzen Thema, eine Bühne verschaffen. Nach dem ersten Entwurf ging die Arbeit erst richtig los: Ich stellte das Konzept erfahrenen Buchmenschen vor und überarbeitete es fortlaufend, aber vor allem begann ich zu lernen, wie man einen YouTube-Kanal betreibt. Ich kaufte mir eine Kamera und ein Schnittprogramm, übte, lernte aus Büchern, schaute Tutorial-Videos, baute mein Schreibatelier zum Filmstudio um, entwickelte Design-Ideen und hörte einfach nicht auf damit, auch nicht, als ich zwischendurch eine liebe Kollegin als Partnerin in dem Projekt gewann und sie wieder verlor.

Jetzt bin ich kurz davor, mit dem Kanal auf Sendung zu gehen. Ich habe einen Förderantrag für das Projekt gestellt und erfahre Unterstützung von vielen Seiten, aber vor allem ist die erste Feuerprobe schon bestanden: Am 6. Januar war Nikola Huppertz in meinem »Filmstudio« und hat ihr neues Jugendbuch »Mein Leben, mal eben« vorgestellt. Was soll ich sagen? Es war toll, wir hatten Spaß! Hätte ja auch anders sein können. Was wäre gewesen, wenn ich trotz aller Vorbereitung im Ernstfall kein Wort rausgebracht hätte? Nun, dann gäbe es diesen Blogeintrag nicht und auch kein Video von diesem Dreh. Sehr einfach. Es wird noch mal ein Schritt sein, dieses erste Video zu veröffentlichen, aber so ist das nun mal mit der Sichtbarkeit: Wenn man eine Bühne eröffnen will, muss man sie auch betreten und sich zeigen.

Ein bisschen stolz und voller Bammel präsentiere ich also mein neues Baby:

 

Autoren Dingsda, YouTube-Kanal

Anfang Februar geht es los, ich freue mich über jeden, der reinschaut, kommentiert, die Facebookseite besucht oder sich auf andere Weise interessiert.

Mein besonderer Dank geht an René Wagner, der alles kann, was ich noch lernen muss, und der schon beim ersten Konzeptentwurf spontan gesagt hat: »Da mach ich mit!« Bessere Unterstützung kann ich mir nicht wünschen.

Vom Wert einer Zeit ohne Plan

Wenn jemand ein Buch schreibt, einen Literaturpreis gewinnt und "Erfolg" damit hat, kommt sofort die Frage nach dem nächsten Buch. Ich habe sie auch gehört, das erste Mal bei der Preisverleihung und danach immer wieder. Sie war unbequem, denn ich hatte keinen Plan. Ich habe erst mal einen Buchtrailer gedreht, dann einen Poetry-Slam-Kurs gemacht, meine Homepage aufgebaut, noch einen Poetry-Slam-Kurs gemacht, viel Zeit mit der Familie verbracht, meine Notizbücher mit allerlei Gedanken gefüllt und viel gelesen. Manches Mal beschlich mich das Gefühl mich zu verzetteln und so hoffte ich wohl im Stillen, die nächste Geschichte würde mich finden. Jetzt ist sie da, will hinaus mit einer Heftigkeit, mit der ich nicht gerechnet hatte, und wenn ich durch die Hefte blättere, die ich in dieser Zeit vollgeschrieben habe, finde ich sie auf jeder Seite.

Bilder als Inspirationsquelle nutzen

Ich dachte immer ich sei ein auditiver Mensch. In der Schule habe ich übers Gehör gelernt, ich meide Supermärkte mit Beschallung und Musik nimmt mich so gefangen, dass ich zu einem Song von Peter Gabriel nicht mal bügeln kann, geschweige denn schreiben. Wenn ich mir mal wieder nichts aus Deko mache, sagen alle: „Du bist halt kein visueller Typ.“ Aber vielleicht ist das ein Irrtum. Bei der Vorbereitung meiner beiden letzten Lesungen habe ich Bilder gesucht, die ich zu bestimmten Szenen zeigen wollte. Zu meiner eigenen Überraschung hatte ich weit mehr passende Fotos, als ich das für möglich gehalten hatte. Manche waren im Entstehungsprozess von „Parkour“ aufgenommen worden, andere während der Überarbeitung und wieder andere bei der Planung und Realisation des Buchtrailers. Hatten die Bilder mich inspiriert? Hatte ich aus der Inspiration der Bilder heraus die Szenen geschrieben? Oder hatte ich die Aufnahmen entsprechend der Szenen im Buch inszeniert? Vermutlich muss ich alle drei Fragen mit Ja beantworten, aber was bedeutet das zukünftig für meinen Schaffensprozess? Ich probiere es gerade aus, sammle Bilder, die zu meinem aktuellen Projekt und den Figuren passen könnten und lasse mich davon mitziehen. Ein spannender Weg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Plötzlich raschelt es und als Leo hinsieht, steht zwischen den Bäumen ein Tier. Es ist auffallend hell, fast weiß. Jetzt hebt es den Kopf und sieht in seine Richtung. Eine Hirschkuh! Sie will ihn mitnehmen und er folgt ihr in den Wald, obwohl es dort dunkel und unheimlich ist.“

 

Mein erstes Jahr

Als mein Webmaster mir Anfang des Jahres mitteilte, er habe den von mir gewünschten Blog eingerichtet, war ich erst mal leicht überfordert. Heute habe ich zum ersten Mal das Bedürfnis, mich hier zu äußern. Gut ein Jahr nach der Preisverleihung zum „Goldenen Pick“ ziehe ich Bilanz über dieses unglaublich intensive erste Jahr als „richtige Autorin“. Bei aller Freude über Erfolg und Anerkennung haben mich doch am meisten die Begegnungen mit anderen Menschen beglückt. Oft war ich sprachlos, wie offen ich aufgenommen wurde und wie sehr ich unterstützt wurde. Deshalb danke ich an dieser Stelle einmal allen Lesern, Zuhörern, Lesungsveranstaltern, Autorenkollegen, Journalisten, Mitarbeiterinnen meines Verlags und vor allem den stillen Helfern im Hintergrund, die mich durch dieses erste Jahr begleitet haben.

Ein paar Bilder von den Highlights meines ersten Jahres:

13. März 2014: Presiverleihung auf der Leipziger Buchmesse mit Bestsellerautorin Ursula Poznanski, Tilmann Spreckelsen (FAZ) und Anja Kemmerzell Chicken House)

 

 

13. März 2014: Leipziger Buchmesse mit Verlegerin Renate Herre (Carlsen Verlag)

 

13. März 2014: Leipziger Buchmesse mit Hörbuchsprecher René Wagner und Bestsellerautorin Ursula Poznanski

 

26. September 2014: Lesenacht beim Treffen der Montségur-Autoren in Oberursel

 

10. Oktober 2014: Frankfurter Buchmesse mit Fridtjof Küchemann (FAZ)

 

 

23. Oktober 2014: Premierenlesung in der Stadtteilbibliothek in Rheydt

 

 

23. Oktober 2014: Premierenlesung in der Stadtteilbibliothek in Rheydt mit Brigitte Behrendt (Stadtbibliothek Mönchengladbach)

 

20. November 2014: Kopernikusschule in Freigericht mit Schülern der 7. Klassen

 

 

21. November 2014: Museumsnacht im Museum Abteiberg in Mönchengladbach

 

 

29. November 2014: Mit Autorin Ruth Löbner und dem "Müller" bei ihrer Lesung in der Schlosskapelle in Liedberg

 

4. März 2015: Im Sandbauernhof in Liedberg mit Dr. Rita Mielke (Korschenbroich liest)

 

 

6. März 2015: Nacht der Bibliotheken in Mönchengladbach mit Didi Haas Jr. (Dance4Arts)

 

6. März 2015: Bei der Nacht der Bibliotheken im Gespräch mit Ursula Gormanns (Radio 90.1)

 

6. März 2015: Nacht der Bibliotheken: Parkour pur

 

 

6. März 2015: Nacht der Bibliotheken mit dem Team von „Dance4Arts“

 

 

27. März 2015: Bei der 4. Erkelenzer Leseburg mit Autor und Veranstalter Kurt Lehmkuhl

Ich bin Mitglied im Montségur Autorenforum:

Montségur Autorenforum


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