Interviews

 

Interview des Verlags CHICKEN HOUSE mit ANDREA RINGS
 
Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie erfuhren, dass Sie für Ihr Manuskript PARKOUR – NUR DIE WAHRHEIT IST UNBEZWINGBAR mit dem Goldenen Pick ausgezeichnet wurden?
 
An dem Tag der Jurysitzung habe ich das Telefon kaum aus den Augen gelassen. Als dann ein Anruf mit Hamburger Nummer kam und mir die  Programmleiterin  von Chicken House sagte, ich solle mich erst mal setzen, ahnte ich natürlich, was jetzt kommen würde. Ich werde in aufregenden Situationen  oft  sehr  still  und  habe  daher  vermutlich  nicht  viel  gesagt.  Dann  fragte  sie  mich: „Möchten Sie Ihr Manuskript bei uns als Buch veröffentlichen?“ Natürlich wollte ich! Anschließend stellte sie das Telefon auf laut und ich hörte die anderen Mitglieder der Jury im Hintergrund. Das war  sehr  bewegend!  In  den  beiden  darauffolgenden  Nächten  habe  ich  kaum  ein  Auge  zugetan, weil ich diese Eindrücke verarbeiten musste. Erst nach und nach wurde mir klar, was es bedeutet, den Preis gewonnen zu haben.
 
Der Protagonist Ihrer Geschichte, Leo, ist ein Parkour-Läufer, der alle Hindernisse überwindet und keine räumlichen Grenzen wie z.B. Gebäude oder Mauern akzeptiert. Ist Schreiben ein bisschen wie Parkour laufen? Welche Hindernisse mussten Sie dabei überwinden?
 
Ja, Hindernisse gab es einige auf meinem Weg, aber Laufen hat mit Geschwindigkeit zu tun und schnell  war ich nicht. Für diesen ersten Roman habe ich fast fünf Jahre gebraucht. Nach einem Jahr hatte ich 130 Seiten geschrieben, die ich anschließend komplett verwarf. Es fehlte einfach der rote  Faden.  Danach  wusste  ich  immerhin  genau,  was  ich  erzählen  wollte  und  ich  kannte  die wichtigsten  Personen  schon  ganz  gut.  Die  größte  Schwierigkeit  bestand  darin,  die  Zeit  zum Schreiben  zu  finden.  Ich  habe  oft  nachts  oder  am  Wochenende  in  den  frühen  Morgenstunden geschrieben.
 
Ihr Buch spielt im Hier und Jetzt mit seinen sehr realen Problemen, in das immer wieder fantastische Elemente einbrechen. Welche Rolle spielt dieser magische Aspekt für Sie?
 
Mein Ziel war es, eine mythische Geschichte in unserer realen Welt zu erzählen. Dabei spielen die magischen Aspekte eine zentrale Rolle. Schon bevor die Handlung  einsetzt,  lernt der Leser die rätselhafte Prophezeiung kennen, später kommen Hinweise hinzu, dass Leos Mutter über besondere Fähigkeiten verfügt. Gleichzeitig wird auch immer  über  ganz  reale  Hintergründe berichtet,  beispielsweise über die Geschichte des verwunschenen Waldes  oder das Naturverständnis der Kelten. Und die fantastischen Elemente brechen nicht nur von außen ein, sondern werden oft von innen heraus als Träume oder traumähnliche Momente erlebt. Insgesamt habe ich versucht eine eigene Welt abseits der vermeintlich bekannten Realität zu schaffen, die aber in sich logisch sein sollte. Leo zweifelt an dieser magischen Welt, denn er ist viel zu rational veranlagt, um sich auf solche Dinge einzulassen. Dahinter steckt auch die Frage, ob es eine objektive Realität gibt oder ob Realität vielleicht eine Frage des Bewusstseins, der Wahrnehmung oder des eigenen Standpunktes ist.
 
Schauplatz  der  Geschichte  ist  unter  anderem  ein  mystischer  Wald,  den  man  beim  Lesen förmlichen  riechen  kann  –  und  der  von  der  Abholzung  bedroht  ist.  War  es  Ihnen  als  Biologin wichtig, mit Ihrem Buch auch eine ökologische „Botschaft“ zu vermitteln?
 
Wenn der Eindruck entsteht, man könne den Wald beim Lesen förmlich riechen, dann ist das für mich  eine  große  Bestätigung.  Ich  wollte  so  schreiben,  dass  man  „mitläuft“,  wenn  Leo  dort unterwegs ist. Dadurch sollte dieser Wald für den Leser real werden. Außerdem ging es mir um das Gefühl mit der Natur verbunden  zu sein. Leo  wehrt sich dagegen. Naturverbundenheit ist ja auch  nicht  unbedingt  ein  Thema,  mit  dem  Jugendliche  sich  primär  beschäftigen.  Aber  nur  wer dieses  Gefühl  kennt,  kann  sich  für  den  Schutz  der  Natur  einsetzen  und  ihre  heilende  Kraft erfahren. Darum war mir dieses Leitmotiv wichtig.
 
Was ist das Spannendste für Sie bei der Veröffentlichung Ihres ersten Buches?
 
Ich fiebere dem Moment entgegen, in dem ich mein Buch in den Händen halte. Außerdem bin ich natürlich sehr gespannt auf die ersten Reaktionen.
 

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